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Atemschutz

Versagen der Sichtscheiben von Atemanschlüssen

Im Feuerwehrübungshaus der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg kam es im Rahmen des Lehrgangs "Angriffstruppführer-Fortbildung im Feuerwehrübungshaus" während der Wärmegewöhnungsübung in zwei Fällen vor, dass die Sichtscheiben der Atemanschlüsse (Vollmasken) versagten.
Eine für den Feuerwehreinsatz zugelassene Polycarbonatscheibe trübte durch die starke Wärmeeinwirkung ein und schäumte auf.

Bild einer defekten Sichtscheibe

Bei einer weiteren Vollmaske kam es zur Bildung einer Öffnung im Randbereich der Scheibe. In diesem Fall wurde nachweislich eine nicht für den Feuerwehreinsatz zugelassene Sichtscheibe aus Acrylglas verwendet.
Nach Auskunft der zuständigen Prüf- und Zertifizierungsstelle EXAM in Bochum, kann es durchaus vorkommen, dass Scheiben aus Polycarbonat bei extremer Wärme eintrüben und aufschäumen. Die Vollmasken bleiben dabei aber in der Regel dicht, es ist jedoch erforderlich, umgehend der Rückzug anzutreten.
Acrylglasscheiben beginnen bei großer Wärmeeinwirkung zu schrumpfen und verlieren dadurch ihre Dichtigkeit und sind somit für den Feuerwehreinsatz nicht geeignet und deshalb nicht zugelassen.
Im Einsatz kann es durch nicht zugelassene Scheiben zu einer erheblichen Gefährdung der Einsatzkräfte kommen. Es wird das Sichtfeld eingeschränkt, ein sicherer Rückzug ist nicht mehr gewährleistet. Rauch kann in die Vollmaske eindringen und inhaliert werden, Augenverletzungen sind möglich.
Für die Zulassung von Atemschutzmasken gilt, dass seit dem 31.12.1985 im Feuerwehrdienst nur noch Masken verwendet werden dürfen, die den Richtlinien für den Bau und die Prüfung von Vollmasken für Atemschutzgeräte für die Brandbekämpfung und Hilfeleistung bei den Feuerwehren entsprechen.
Vollmasken für den Feuerwehreinsatz müssen nach DIN EN 136 - Klasse 3 (Vollmasken für spezielle Einsätze) geprüft werden und sollten die Vorgaben der vfdb-Richtlinie 0802 (Regeln für die Auswahl und den Einsatz von Atemschutzgeräten für die Feuerwehr) erfüllen. Die bisher übliche Kennzeichnung mit einem "F" der für den Feuerwehreinsatz zugelassenen Sichtscheiben aus Polycarbonat (PC) oder Verbund-Sicherheitsglas (Triplex) ist nach der derzeit gültigen vfdb-Richtlinie 0802 (Stand Juli 2004) nicht mehr erforderlich!
Es ist deshalb durchaus möglich, dass auch zugelassene Scheiben im Umlauf sind, die nicht mit einem "F" versehen sind. Diese wurden, nach Angaben eines Herstellers, auch kurzzeitig für einen bestimmten Maskentyp verkauft.
Weil aber der Verzicht auf diese Kennzeichnung bei den Feuerwehren für Verwirrung sorgt, wird laut Aussagen aller befragten Hersteller, dieses Zeichen wieder bzw. weiterhin angebracht.

Sichtscheibe mit Kennzeichnung F

Aufgrund der oben beschriebenen Vorkommnisse empfiehlt die Landesfeuerwehrschule dringend, die eingebauten Scheiben zu überprüfen. Auch wenn der ernorme Preisvorteil verlockend wirkt, ist darauf zu achten, dass nur die für die Feuerwehr zugelassenen Scheiben bzw. Vollmasken verwendet werden.

Downloads

Bild: defekte Sichtscheibe (jpg, 2,0 MB)
Bild: Sichtscheibe mit F-Kennzeichnung (jpg, 1,2 MB)