Während der Ausbildung der Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Gera in einem 45 Meter hohen Silo kam es zu einem Unfall mit einem Rollgliss-System. Der Aufbau des Rollglissgerätes erfolgte mit dem Rollglissdreibock, da kein direkter Anschlagpunkt senkrecht über dem Einstieg des Silos vorhanden war. Eine Einsatzkraft übernahm die Aufgaben des Sicherungsmannes, eine zweite Einsatzkraft übernahm am Rollglissgerät hängend die angenommene Rettung. Nach Beendigung der Arbeit und nach der Aufforderung zum Aufseilen begannen zwei weitere Einsatzkräfte und der Gruppenführer mit dem Aufholen des Retters. Der Sicherungsmann nahm das Sicherungsseil dabei stets straff nach. Nachdem eine Höhe von etwa 2,5 Meter überwunden war, brach der Dreibock zusammen. Der Retter im Seil stürzte in das Sicherungsseil, hatte aber trotzdem eine kurze Bodenberührung bedingt durch die geringe Höhe über dem Silogrund und die Dehnung des dynamischen Sicherungsseiles. Er wurde aber nicht verletzt. Das Oberteil des Dreibocks traf den Gruppenführer hart an der rechten Schulter. Der Sicherungsmann wurde durch ein Bein des Dreibocks am rechten Ellenbogen getroffen. Zur Rettung der im Silo befindlichen Einsatzkraft erfolgte der Aufbau eines Flaschenzuges, um das im Einstieg verklemmte Rollglissgerät wieder heraufzuholen. Nach dem Herausziehen des Rollglissgerätes wurde der Retter wieder abgelassen, um dieses zu entlasten und mit Hilfe von Bandschlingen und einem Flaschenzug an einem neuen Befestigungspunkt über dem Einstieg anzuschlagen.
Auswertung der Unfallursache: Laut Typenschild ist der Dreibock für maximal zwei Personen bzw. 300 Kilogramm Belastung ausgelegt. Während der Einsatzübung war der Dreibock mit einer Person, dem Rettungsmaterial, dem Pressluftatmer, dem Rollglissgerät und dem Seilgewicht belastet. Insgesamt waren dies gewogene 90 Kilogramm. Bei der Rekonstruktion des Aufbaus wurde zur Ermittlung der am Dreibock wirkenden Kräfte eine Zugwaage eingesetzt. Dabei wurde eine dynamische Belastung beim Aufholen der Last von durchschnittlich 140 Kilogramm, maximal 170 Kilogramm ermittelt. Bei dieser Belastung kam es zum Bruch des Steckbolzens, der die Kopfplatte mit dem Bein des Dreibocks verbindet. Bei der Kontrolle der anderen Bolzen des Dreibocks konnte eine Deformierung festgestellt werden.
BILD: Kopfplatte des Dreibocks des Rollgliss-Systems; es fehlt das abgebrochene Bein. Zu sehen sind die beiden Schrauben, die den Steckbolzen halten.